1. Ziele
Die Zukunft einer menschenfreundlichen und solidarischen Gesellschaft hängt entscheidend davon ab, dass jungen Menschen heute eine Entwicklung in Freiheit und Gleichheit statt unter Fremdbestimmung und Konkurrenzdruck ermöglicht wird. Wir sind davon überzeugt, dass Menschen per se sozial und solidarisch sind, wenn ihnen die Umstände in der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung das erlauben. Sozialdemokratische Jugendpolitik ist deshalb Politik für die Freiheit und Gleichheit junger Menschen in allen Lebensbereichen. Sie wirkt darauf hin, Chancengleichheit herzustellen, Mitbestimmungsrechte durchzusetzen und Freiräume zu erhalten und auszubauen, damit junge Menschen ihr Leben selbstbestimmt und solidarisch gestalten können. Dabei setzen wir als Erlanger SPD auf das Prinzip der Selbstverwaltung. Wir streben daher eine gute Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit den Organisationen der gebundenen Jugendarbeit (Stadtjugendring) und den Gruppen der offenen Jugendarbeit an.
2. Die Welt, in der wir leben und was wir in den letzten Jahren erreicht haben
Junge Menschen wollen ihr Leben selbstbestimmt gestalten und sich mit ihren Ideen in die Gesellschaft einbringen. Dabei stoßen junge Menschen aber oft auf Widerstände: Das In-Frage-Stellen von bestehenden Strukturen und Vorgehensweisen, wird scheinbar als Bedrohung empfunden. Wenn sich junge Menschen im öffentlichen Raum entfalten wollen, wird schnell nach „hartem Durchgreifen“ gerufen. Dabei entstehen die Konflikte um die Nutzung des öffentlichen Raums auch daraus, dass jungen Menschen zu wenige Einrichtungen zur Verfügung stehen, in denen sie ihre Freizeit selbstbestimmt und ohne Konsumzwang gestalten können. Dem haben wir in den letzten zehn Jahren entgegengewirkt, indem wir die Wöhrmühlinsel zur Freizeitfläche gemacht, an Lösungen für den Bürgermeistersteg als Aufenthaltsort für junge Menschen gearbeitet und die Weiterentwicklung des Café Krempl als Begegnungsort unterstützt haben. Aber auch die Förderung von Vereinen über den Stadtjugendring und die Förderung des E-Werks schafft Räume für junge Menschen. Genauso wichtig wie (konsumfreie) Räume ist es für junge Menschen, selbstständig von A nach B zu kommen. Wichtige Beiträge für das Vorankommen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen waren in den letzten Jahren die konsequente Umsetzung der Fahrradstadt, die Erweiterung der Nightliner-Busse und die Nacht-S-Bahn nach Nürnberg.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen, die die Gesellschaft und insbesondere die Wirtschaft an junge Menschen stellen: Junge Menschen sollen in immer kürzerer Zeit eine möglichst hohe und umfassende Bildung, möglichst mit Auslandsaufenthalt und praktischer Berufserfahrung absolvieren, und möglichst besser als alle Mitschüler*innen oder Mitstudierende. Dadurch stehen junge Menschen unter einem großen Leistungsdruck und in ständiger Konkurrenz zueinander. Gute Bildung für alle bedeutet für uns, dass Schulen Lern- und Lebensorte sind, an denen Schüler*innen sich wohlfühlen und nach ihren Interessen und nach ihrem Tempo entwickeln können. Dafür haben wir Schulen saniert und modern ausgestattet.
Nach der Schulzeit sind junge Menschen überproportional stark bedroht von der Prekarisierung des Arbeitsmarktes, von unbezahlten Praktika, befristeter Beschäftigung, und vor allem bei formal niedrigerer Qualifikation auch von Niedriglöhnen. Verstärkt wird das durch eine Verschärfung der sozialen Ausgrenzung durch unzureichenden Zugang zu bezahlbaren Wohnungen, „Warteschleifen“ vor der beruflichen Ausbildung und fehlenden eigenständigen Ansprüchen auf soziale Unterstützung. Das Leben vieler junger Menschen findet dadurch unter erheblicher ökonomischer Unsicherheit und hoher psychischer Belastung statt: Das erschwert eine selbstbestimmte Lebensplanung und eine solidarische Haltung gegenüber denen, die es vielleicht noch ein bisschen schwerer haben. Mit der Eröffnung der Jugendberufsagentur, wurde eine wichtige Anlaufstelle für junge Menschen vor und während der Ausbildung geschaffen. Für junge Menschen in akuten Notlagen wurde eine Notschlafstelle eingerichtet. Mit dem ErlangenPass haben wir dafür gesorgt, dass junge Menschen mit niedrigen Einkommen besseren Zugang zu Kultur, Sport, Freizeitangeboten und vergünstigte Nahverkehrstickets erhalten.
3. Forderungen und Perspektiven
Erstens: Mädchen!
- Wir wollen die Aktivitäten zur Berufswahl von Mädchen weiterführen und ausbauen, mit besonderem Fokus auf Berufe, in denen Frauen bisher unterrepräsentiert sind (MINT-Fächer, gewerblich-technische Berufe). Ebenso wollen wir Angebote zur Berufswahl von Jungen in sozialen Berufen stärken. Dafür sollen bestehende Informationsveranstaltungen der Stadt (z.B. EBIT, Girls-and-Boys-Day), aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen (z.B. konfessionelle Bildungswerke, Hochschule, lokale Arbeitgeber, Gewerkschaften) genutzt werden.
- Geschlechtersensible Erziehung gibt Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre individuellen Stärken unabhängig von geschlechterbezogenen Erwartungen und Rollenbildern zu entfalten. Bestehende Konzepte dafür müssen umgesetzt werden: durch eine Pflichtfortbildung für Erzieher*innen und die Verstetigung von Fortbildungsmöglichkeiten für alle pädagogischen Berufe z.B. in Kooperation mit der Uni.
- Die wichtige Arbeit der Jugend- und Familienberatungsstelle, die u.a. in den Bereichen Partnerschaft, Sexualität, Aids, Schwangerschaft und Drogen berät, muss insbesondere bei den psychosozialen Angeboten für Jugendliche ausgebaut werden. Es müssen außerdem Angebote für queere Jugendliche geben. Die Beratung soll auch dezentral in den Stadtteilen erfolgen.
Arbeit und Ausbildung
- Die Stadt muss weiterhin möglichst viele Ausbildungsplätze in der Verwaltung und in kommunalen Eigenbetrieben anbieten. Sie muss jungen Mitarbeitenden Weiterbildung und -entwicklung ermöglichen und entsprechende Angebote verstärkt bewerben. Dem bestehenden Mangel an Ausbildungsplätzen muss die Stadt auch durch spezifische Fachklassen entgegenwirken.
- Die Angebote der Jugendberufsagentur in Erlangen müssen beibehalten und bedarfsgerecht ausgebaut werden. Für die Angebote der vom Jugendamt durchgeführten Jugendsozialarbeit muss von der Stadt langfristig mehr Personal bereitgestellt werden. Gleichzeitig setzt die Stadt sich auf Landesebene für eine bedarfsgerechte (und damit umfassendere) Finanzierung der Jugendsozialarbeit an Schulen durch den Freistaat Bayern ein.
- Berufspraktika bieten eine wichtige Orientierung für Jugendliche, können und sollten deshalb an allen Schulformen gefördert werden, zum Beispiel über eine Plattform zur Suche nach geeigneten Praktikumsplätzen.
- Die Stadt muss dafür sorgen, dass Benachteiligungen bestimmter Gruppen (Migrant*innen, Jugendliche mit Behinderung, Jugendliche mit niedrigen Schulabschlüssen) auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt abgebaut werden. Dazu gehört, dass die Stadt Ausbildungsplätze an junge Menschen aus diesen Gruppen vergibt.
- Jugendliche Arbeitslose, und hier besonders Mädchen und Frauen, müssen besonders unterstützt werden: dazu gehören insbesondere auf die Situation der jeweiligen Gruppe angepasste Maßnahmen zur (Weiter-)Qualifizierung und Nachbetreuung. Bereits bestehende erfolgreiche Projekte des Jobcenters in diesem Bereich müssen weitergeführt werden.
- Eine Teilzeitausbildung kann jungen Menschen mit besonderen Herausforderungen (z.B. junge Mütter mit und ohne Migrationsgeschichte, Jugendliche mit Behinderung oder psychischer Erkrankung) das Aufnehmen und Abschließen einer Ausbildung ermöglichen. Die Stadt muss diese Möglichkeit selbst anbieten und durch Informations- und Unterstützungsangebote für lokale Ausbildungsbetriebe stärken.
Wohnraum für junge Menschen
- Nicht nur Studierende, sondern auch Auszubildende haben große Probleme, in der Stadt Erlangen geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden. Ein Teil der Lösung für Studierende sind die Angebote des Studi-Werks. Die Stadt Erlangen soll durch die Schaffung eines Azubiwerks ein entsprechendes Angebot für Auszubildende schaffen. Der konkrete Zweck eines solchen Azubiwerks ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende, soziale Beratung und Unterstützung der Bewohnenden, sowie Mitbestimmung und Vernetzung der Bewohnenden. Die Wohnungen des Azubiwerks sollen sowohl jungen Menschen in betrieblicher als auch schulischer Ausbildung zur Verfügung stehen. Die Höchstmiete muss in einem vertretbaren Verhältnis zur tatsächlichen Ausbildungsvergütung der Bewohnenden stehen. Lokale Ausbildungsbetriebe sollen durch den Kauf von (begrenzten) Belegrechten an der Finanzierung des Projekts beteiligt werden.
- Die Stadt wird weiterhin, in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk und dem Sprecher*innenrat der Universität, Studierenden Hilfen bei der Wohnungssuche anbieten. Dazu gehört auch, eine Möglichkeit für die Bewohner*innen von Studi-Wohnheimen zu schaffen, ihre Wohnungen mit anderen Studierenden zu tauschen. Immer wieder werden Studierenden Wohnungsplätze fernab ihres Studienstandortes vermittelt. Dies geschieht insbesondere aufgrund der Tatsache, dass Studierende beim Einzug weder die Lage der Fakultät noch die des Wohnheimes kennen. Die Stadt Erlangen sollte sich deswegen an der Einrichtung einer Wohnungstauschbörse beteiligen, die den Mieter*innen verschiedener Studi-Wohnheime in Erlangen die Möglichkeit bietet, Zimmer mit vergleichbaren Mietverträgen zu tauschen.
- Bei der Vermietung städtischer Wohnungen müssen junge Menschen, Alleinerziehende, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung vorrangig berücksichtigt werden.
- Im Rahmen des SGB II muss die Stadt die Genehmigung des eigenständigen Wohnsitzes für junge Menschen, wann immer möglich, erteilen.
Kultur, Sport und Freizeit
- Junge Menschen brauchen Platz in der Stadt und haben ganz selbstverständlich ein Anrecht auf den öffentlichen Raum. Bei der Stadtplanung muss das Interesse junger Menschen berücksichtigt werden, Plätze und Räume für die selbstständige Gestaltung ihrer Freizeit zu haben. Bei Konflikten bei der Nutzung von Plätzen, Frei- und Grünflächen soll die Stadt vermitteln. Die erprobten Lösungsansätze für den Bürgermeistersteg führen wir fort und evaluieren sie weiterhin. Die Situation an der Wöhrmühle wollen wir durch zusätzliche Beleuchtung und Sanitäranlagen sicherer und attraktiver gestalten. Ganz besonders fehlen zugängliche Freizeitflächen für junge Menschen in Stadtteilen mit hoher Dichte an studentischem Wohnen in der Innenstadt und im Süden im Umfeld des Süd-Campus/Techfak/Erwin-Rommel-Wohnheim.
- Sport und Freizeitangebote müssen für alle Jugendlichen bezahlbar sein. Den ErlangenPass-Plus wollen wir bekannter machen und weitere Vereine als Kooperationspartner gewinnen. Die Stadt muss gleichzeitig dafür Sorge tragen, dass auch für Jugendliche, die keinem Verein beitreten wollen, Sport-, Freizeit- und Kulturangebote zur Verfügung stehen.
- Die Abenteuerspielplätze werden weiterhin ausreichend unterstützt. Das Angebot sollte ausgebaut werden.
- Das E-Werk als wichtiger Freizeit- und Kulturort wird von der Stadt weiterhin bezuschusst und die Förderung wieder deutlich erhöht, sobald die Haushaltssituation der Stadt das ermöglicht.
Teilhabe an Bildung, Kultur und Freizeit
- Stadtteilhäuser und Familientreffpunkte sind wichtige Ankerpunkte für Gemeinschaft und Teilhabe. Sie müssen finanziell gestärkt werden, um sich halten, ihre Angebote ausweiten und eine stabile soziale Infrastruktur gewährleisten zu können.
- Begegnungsstätten wie das Café Krempl sollten als Vorbild für Projekte in weiteren Stadtteilen dienen, um soziales Miteinander und Teilhabe zu fördern. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit mit Träger*innen der Jugendarbeit sowie kirchlichen und kulturellen Gemeinschaften.
- Die Ausbildung von Erzieher*innen bildet die Grundlage für gute und inklusive Betreuungs- und Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels sollte die Stadt dafür auch eine gemeinde- und/oder trägerübergreifende Zusammenarbeit in Erwägung ziehen.
- Die Fortbildungsangebote der Stadt und freien Träger für Erzieher*innen müssen unter anderem für die Arbeit mit Kindern mit Migrations- und Fluchtgeschichte und mit besonderem Förderbedarf fortgeführt und ausgebaut werden. Dabei geht es nicht nur um gute Betreuung, sondern auch um die Entlastung und Unterstützung und Entlastung der Erzieher*innen.
- Die Stadt muss die Zusammenarbeit mit Trägern wie dem Muslimischen Bildungswerk und der VHS erheblich intensivieren, um Bildungs- und Integrationsprojekte zielgerichtet umzusetzen und nachhaltig zu fördern.
- Das Familien-ABC muss als wichtiges niederschwelliges Informationsangebot, das in verschiedenen Sprachen verfügbar ist, muss unbedingt weitergeführt, besser beworben und in verstärkter Kooperation mit Vereinen und Stadtteilhäusern an die Bevölkerung herangetragen werden.
- Das Bildungspatenprogramm “Die Begleiter” muss fortgeführt und weiterentwickelt werden. Ein Schwerpunkt dabei sollte die Suche nach mehr ehrenamtlichen Bildungspatinnen und -paten sein.
- Der “Zirkus SJoRi – Integratives Zirkuszeltlager” des Stadtjugendrings muss wieder gezielt gefördert werden, da er ein einzigartiges kulturelles und pädagogisches Angebot für Kinder und Jugendliche bietet. Dabei soll es weiterhin ermöglicht werden, dass Kinder mit ErlangenPass und ErlangenPass Plus ermäßigten Zugang erhalten.
- Alle sozialen Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene müssen konsequent den ErlangenPass berücksichtigen, um sicherzustellen, um soziale Teilhabe für alle jungen Menschen in der Stadt sicherzustellen.
- Die bereits von der SPD-Fraktion beantragte Kampagne für ein gemeinsames Branding von (Sport-)Vereinen im Rahmen des ErlangenPass muss mit Nachdruck vorangetrieben werden, um die Bekanntheit des Passes zu steigern, sowie ErlangenPass-Inhaber*innen einen einfacheren Zugang zu den Angeboten zu ermöglichen.
- Für junge Menschen mit Behinderung muss das Ziel der Inklusion in allen gesellschaftlichen Bereichen verwirklicht werden.
- Die Stadt ist aufgefordert, aktiv zu prüfen, in welchem Umfang Barrierefreiheit bei geförderten Umbaumaßnahmen verbindlich eingefordert werden kann, und dabei die politischen und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten sorgfältig zu bewerten.
Jugend(sozial)arbeit
- Junge Menschen sollen für ehrenamtliche Jugendarbeit begeistert und in ihrem Engagement dort unterstützt werden: Wer ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig ist, soll die für seinen Bereich notwendige Unterstützung sowohl in finanzieller Hinsicht als auch bei der Aus- und Weiterbildung erhalten. Die Stadt wird weiterhin über den Stadtjugendring kostenfreie Möglichkeiten zur Qualifizierung von Ehrenamtlichen anbieten.
- Wir setzen uns für Orte ein, an denen Jugendliche sich ohne Konsumzwang aufhalten können. Als Ziel sollte es in jedem Stadtteil mindestens einen offenen Jugendtreff geben. Wir unterstützen sowohl die selbstverwalteten Jugendclubs und -zentren (z. B. das selbstverwaltete Zentrum Wiesengrund) als auch die freien Träger der Jugendarbeit dabei, solche Orte anzubieten. Für die Koordination und als Anlaufstelle dieser Einrichtungen muss die Stadt Personal bereitstellen. Wo Angebote wegfallen, muss die Stadt in den Dialog mit Trägern, Jugendlichen und Stadtgesellschaft treten, um diesen Wegfall zu kompensieren.
- Ein ausreichendes Angebot an Räumen für Jugendgruppen vor allem in den Stadtteilen muss gewährleistet werden; Sanierungsmaßnahmen sollen von der Stadt unterstützt werden. Den Jugendorganisationen soll, auch über den Stadtjugendring, eine ausreichende Ausstattung zur Verfügung gestellt werden.
- Die Stellen der Stadt im Bereich der Jugendarbeit und des Stadtjugendrings müssen erhalten bleiben und wo notwendig aufgestockt werden. Die Mitarbeitenden müssen ebenfalls regelmäßige Möglichkeiten zur Weiterbildung haben.
- Die Jugendsozialarbeit der öffentlichen und freien Träger wollen wir weiter fördern und mit ausreichend Personal und Mitteln ausstatten. Damit das leistbar wird, setzten wir uns im Städtetag und darüber hinaus dafür ein, dass Bund und Freistaat die Finanzierung der Kommunen entsprechend verbessert.
- Jugendliche in prekären Situationen benötigen besonders viel Unterstützung. Darum wollen wir insbesondere in den Stadtteilen, in denen viele junge Menschen mit knappen finanziellen Mitteln wohnen, die aufsuchende Jugendsozialarbeit (z.B. Streetwork) stärken. Auch die Jugendberufsagentur hat häufig mit Jugendlichen mit erhöhtem sozialpädagogischen Förderbedarf Kontakt. Sie wollen wir mit einer zusätzlichen Stelle für diese Aufgabe ertüchtigen.
- Städtische Mitarbeitende, die im Kontakt mit jungen Menschen stehen, müssen regelmäßige Fortbildungen zu den Themen Jugendschutz, sexualisierter Gewalt und Missbrauch, psychischer Gewalt und zu Mobbing im Internet, aber auch hinsichtlich verfügbarer Hilfsangebote erhalten. Entsprechende Weiterbildungen müssen auch für Ehrenamtliche in der Jugendarbeit zur Verfügung stehen.
- Demokratiebildung ist nicht ausschließliche Aufgabe der Jugendarbeit, aber muss auch dort stattfinden und durch den selbstorganisierten Charakter besonders zugänglich zu sein. Auch zu diesem Thema müssen Ehrenamtliche in der Jugendarbeit professionelle Fortbildungsmöglichkeiten und Anlaufstellen haben.
Beteiligung und Mitbestimmung
- Wir bekennen uns klar zu umfassender Jugendbeteiligung und nehmen die Ergebnisse von Beteiligungsprozessen ernst. Ein Instrument dabei soll weiterhin das Jugendparlament sein, dessen Arbeit wir weiter fördern. Wir setzen uns dafür ein, dass das JuPa die bayernweiten Qualitätsstandards für kommunale Jugendvertretungen erfüllt und statten es entsprechend aus. Wenn das JuPa Reformen anstrebt, unterstützen wir dabei. Um die gute Arbeit des Jugendparlaments gewährleisten zu können, wollen wir die Bekanntheit des JuPa steigern und bei zukünftigen Wahlen auch die Schulen stärker in die Verantwortung nehmen.
- Wir betrachten den Kinder- und Jugendgipfel als einen großen Erfolg und möchten diesen in Zukunft weiterentwickeln. Dazu treten wir in den Dialog mit dem Stadtjugendring und weiteren Partner*innen.
- Die Beteiligungsprojekte des Stadtjugendrings zu verschiedenen städtebaulichen Maßnahmen waren sehr erfolgreich. Wir möchten, dass solche Maßnahmen künftig bei allen größeren Projekten der Stadtentwicklung durchgeführt werden können und stellen dafür Mittel zur Verfügung. Dabei sollen auch die städtischen Behörden umfassend zum gegenseitigen Nutzen eingebunden werden.
ÖPNV – Selbstständig von A nach B
- Die Fahrpläne des ÖPNV müssen an die Öffnungszeiten der öffentlichen Jugend- und Freizeiteinrichtungen angepasst werden.
- Das Angebot der Nachtbusse (insbesondere die Night-Liner) muss erhalten und ausgebaut werden; hierbei ist eine bedarfsgerechte Einbindung aller naheliegenden Gemeinden in das Liniennetz die Zielsetzung
- Die (Zug-)Verbindung nach Nürnberg und Fürth (sowie allgemein ins Umland), insbesondere durch die Nacht-S-Bahn, muss beibehalten und erweitert werden.
- Der Bau bzw. die Umsetzung der StUB soll möglichst schnell erfolgen; bei der Realisierung werden außerdem die Anliegen und die präferierten Mobilitätsströme von jungen Menschen besonders berücksichtigt werden (z.B. zu Schulen, Universität und Ausbildungsplatz; tagsüber sowie nachts). Langfristig setzen wir uns auch für die Erweiterung der StUB auf den Ostast ein.
- Die Stadt soll sich auf allen politischen Ebenen für eine Fortsetzung des vergünstigten Deutschland Tickets für Studierende sowie des 365€-Ticket für Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende einsetzen.
- Die Stadt muss weiter auf das Ziel der autofreien Mobilität für Kinder und Jugendliche hinarbeiten: Es sind Voraussetzungen zu schaffen damit Kinder ermutigt werden, ihren Schulweg sicher und selbstständig zurückzulegen (zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem ÖPNV), insbesondere das direkte Umfeld von Schulen und Kindergärten soll erhöhte Verkehrssicherheit bieten.
- E-Scooter werden vor allem von jungen Menschen genutzt und sind eine wichtige Mobilitätsform. Für das Abstellen von E-Scootern soll eine bessere Lösung gefunden werden (z.B. feste Mobilpunkte zum Abstellen).
- Das Angebot der VAG-Leihfahrräder in Erlangen soll beibehalten und durch weitere Mobilpunkte und die Ausweitung der Flexzone erweitert werden.
- Als Fahrradstadt setzt Erlangen darauf jungen Menschen schon früh Material und Know-how zur Verfügung zu stellen, um das eigene Fahrrad zu reparieren, z.B. durch mobile Fahrradwerkstätten in den Schulen und im E-Werk sowie Fahrradreparaturstellen in der ganzen Stadt. Die Fahrradreparaturstellen müssen regelmäßig gewartet werden.
