Vortrag: Die neue ArbeiterInnenklasse

Sonntag, 12. Mai 2019

Buchtipp und Veranstaltungshinweis: Die neue ArbeiterInneklasse 

Veronika Bohrn Mena ist Expertin für atypische Beschäftigung und hat in ihrem Buch „Die neue ArbeiterInnenklasse“ ihre Erfahrungen als Gewerkschafterin zusammengeschrieben. Die Stärke des Buches liegt vor allem darin, dass es kein rein theoretisches Werk ist. Veronika Bohrn Mena gibt in ihrem Buch Pseudo-Praktikant:innen, Leiharbeiter:innen und unfreiwilligen Teilzeitbeschäftigten eine Stimme, die von ihren Realitäten in Niedriglohn-Jobs, freien Dienstverhältnissen und der Scheinselbstständigkeit, von ihrer Arbeit in befristeten Verhältnissen und Kettenverträgen, als „Neue Selbstständige“ oder als Ein-Personen-Unternehmen berichten. 

Veronika Bohrn Mena nimmt dabei keine reine Beobachterinnenposition ein. Mit einer sehr niederschwelligen, aber umso wirkmächtigeren Sprache macht sie klar, dass die Situation dieser Menschen nicht selbstverschuldet ist. Häufig handelt es sich um Arbeitgeber:innen, die ihre Mitarbeiter:innen illegal in ein prekäres Beschäftigungsverhältnis zwingen. 

In immer mehr Fällen ist es aber auch so, dass die prekären Beschäftigungsverhältnisse durch Deregulierungen von Seiten der Politik erst möglich gemacht worden sind und prekäre Beschäftigung immer mehr zum Massenphänomen werden. 

Ganz ohne Theorie kommt das Buch aber doch nicht aus. Veronika verdeutlich, dass schon im 19. Jahrhundert die Arbeiter:innenklasse nicht so homogen gewesen ist wie gerne dargestellt und nur aus Männern bestand, die im Kohlebergwerk oder in der Stahlproduktion arbeiteten. Sie bestand ebenso aus weiblichen wie männlichen Beschäftigten im Dienstleistungssektor, der Landwirtschaft oder wenig Profit erwirtschaftenden Selbstständigen wie Handwerkern, Handelstreibenden oder Heimarbeiterinnen.

Was allerdings in den letzten Jahren hinzu kam: Weder ein akademischer Grad noch eine gute Ausbildung sind kein Garant mehr für ein stabiles, gut bezahltes Beschäftigungsverhältnis. Nicht ohne Grund lässt sie in ihrem Buch auch eine wissenschaftliche Mitarbeiterin und einen als Pseudo-Praktikanten eingestellten Redakteur zu Wort kommen. 

Im letzten Kapitel macht sie mehrere Reformvorschläge, die prekäre, schlechtbezahlte Arbeit eindämmen sollen. Denn Politik und Staat sind nicht dafür da, ideale Bedingungen für die Wirtschaft zu schaffen, sondern primär für die Menschen, die von ihr leben sollen.

Am 17. Mai um 20 Uhr ist Veronika Bohrn Mena in Erlangen und hält im IGM-Saal einen Vortrag zu ihrem Buch. 

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